Sie befinden sich hier: Fitness Studio / Themen / Neujahrsspeck!
26.9.2017 --- 5:41

Neujahrsvorsätze!?

erschienen im Stadtmagazin BLICK. des Landkreises SFA - Ausgabe 01/2008

oder, wie und wann nimmt Mann/ Frau durch Sport ab.

Weihnachten ist schön, lässt man mal die Verpflichtungen, das Geflimmer in den Vorgärten und die Berge von Süßigkeiten außer acht, vor denen fürsorgliche Eltern ihre Kinder ständig retten müssen. Weihnachten ist vor allem aber auch lecker. Seltsamerweise beginnt bereits vor dem ersten Advent der Dauerappetit auf Lebkuchen, Gänse, Glühwein, Schokolade, Kartoffel- und Heringssalat. Schön ist auch, dass man so faul sein darf. Die Freiheit, der Bewegungslosigkeit (Gemütlichkeit) freien Lauf zu lassen, wird gerade zu Weihnachten ausgiebig kultiviert. Die eine oder andere neue DVD, noch ein Nachmittagsfilm mit den Kindern, schnell noch den Bildband durchgeschaut und die Playstation ausprobiert. Da bleibt man leicht mal ein paar Tage auf dem Sofa kleben. Nur die unvermeidliche Verdauungsspaziergänge werden trotz Genörgel nicht boykottiert. Zwar sinkt das körperliche Wohlbefinden trotz der vielen Leckereien und selbst verordneter Faulheit im Verlaufe der Feiertage gehörig nach unten, was aber im Endspurt des Jahres meist nicht weiter auffällt.

Und dann gibt es die ganz Tapferen, die sich tatsächlich am 31.12. auf die Waage stellen, um der Wahrheit furchtlos ins Auge zu blicken. Diäten werden begonnen und die Joggingschuhe wieder aus dem Schrank hervorgekramt, um den Pfunden an den Kragen zu gehen. Meist ist der gute Wille nach zwei bis drei Wochen vorbei, dann, wenn es darum geht, Konstanz und Durchhaltevermögen zu zeigen (der Autor schreibt aus eigener Erfahrung). Aber lassen wir die satirische Betrachtung einfach mal beiseite. Besteht das Problem der angefutterten Weihnachtspfunde wirklich aus den „sündigen“ zwei Weihnachtswochen?

Wohl kaum, die Entwicklung liegt meist viel weiter zurück, in unserem Alltagsverhalten, das wir über Jahre hinaus entwickelt haben. Die Ernährungsseite beschreibt mein Kollege weiter oben. Ohnehin dürfte den meisten Menschen bekannt sein, dass selten eine Diät eine konstant gesunde Ernährung ersetzen kann. Ebenso wenig können wir erwarten, mit ein paar harten Trainingseinheiten die Weihnachtspfunde abzutrainieren, wenn wir uns das ganze Jahr über kaum bewegt haben.

Oft wird beim Thema Abnehmen sofort von einem Fettverbrennungspuls gesprochen, den man im Training einhalten sollte (je nach Literaturangaben zwischen 110 und 150, altersbezogen). Diese Angaben sind in der Praxis nicht unklug für Anfänger, allerdings beschönigen sie die Fakten. Der Fettverbrennungspuls bezieht sich auf die Fettsäuren im Blut. Bewege ich mich, holt mein Körper die Energie (Fett, Eiweiß, Kohlehydrate) aus dem Blut, bzw. aus den Energiespeichern der Muskelzelle selbst. Dabei wird allerdings noch keine einzige Fettzelle abgebaut. Dies passiert eben erst, wenn wir uns konstant (über Wochen, Monate, Jahre) soviel bewegen, dass wir mehr Energie (Maßeinheit=Kalorien ) verbrauchen, als wir über unsere Nahrung wieder zu uns nehmen. Damit haben wir die erste Voraussetzung für das Abnehmen geschaffen, eine negative Kalorienbilanz, also die Differenz zwischen Energieverbrauch und Essen.  

Um unseren Energieverbrauch (Kalorienverbrauch) in die Höhe zu schrauben, gibt es drei Möglichkeiten: Häufiger, länger und intensiver trainieren und bewegen. Und zwar genau in dieser Reihenfolge. Erst versuche ich an mehr Tagen in der Woche zu trainieren, dann dehne ich die Trainingszeit aus, um zuletzt Tempo und Intensität hoch zu setzen. Zunächst nehmen allerdings die Wenigsten unmittelbar ab, viele brechen aus Frustration ihre Trainingsprogramme nach kurzer Zeit ab. Bevor nämlich auch nur eine Fettzelle abgebaut werden kann, muss durch ein Mehr an Bewegung erst einmal der Stoffwechsel verbessert werden. Die zweite Bedingung (neben der Kalorienbilanz) ist also ein gut funktionierendes Herz- Kreislaufsystem, gut durchblutete und aktive Verdauungsorgane (Darm, Magen, Leber, Niere, Blase), die sich erst entwickeln können, wenn man sich regelmäßig bewegt. Und hierfür braucht es kein hartes, sondern häufiges Training.

Die Moral von der Geschichte erinnert an den letzten Artikel. Die Konstanz der entscheidende Faktor. Schaffen wir es konstanter mehr Bewegung in unser Leben zu bringen, durch Spaziergänge, Fahrradfahren (auch zum Bäcker), Walking, durch Ausdauertraining, Krafttraining, Yoga, Pilates, Sportspiele, Spiele mit unseren Kindern, Schwimmen, Gartenarbeit, schaffen wir auch die besten Bedingungen, um unseren trägen, verwöhnten, zivilisierten Magendarmtrakt wieder in Gang zu bringen. Im Fitness Studio werden wir oft gefragt, wie viel man denn trainieren soll. Abgesehen von der Tatsache, das man diese Frage für jeden einzelnen neu beantworten müsste ist der in Zeitschriften am häufigsten genannte Tip für Anfänger sicher: „2-3 mal/Woche, 30 bis 40 min, so intensiv, dass man sich während des Laufens noch unterhalten kann“. Durch Pulsmessung könnte man die Empfehlungen präzisieren. Um sich selbst einen Pulswert herauszusuchen gibt es reichlich Publikationen und Tabellen im Internet (Suchbegriff „Trainingspuls“), die man allerdings immer mit Vorsicht betrachten sollte, da sie z.T. sehr unterschiedlich sind und die eigenen individuellen Abweichungen von diesen Tabellen eher die Regel, als die Ausnahme sind. Besser ist es Fachleute (Trainer, Sportlehrer) zu befragen, die in der Lage sind, einen individuellen Trainingspuls zu erstellen.

Ich möchte zum neuen Jahr hin alle ermutigen, sich mehr zu bewegen ohne Leistungsdruck und Angst, etwas falsch zu machen. Der Bonus an Lebensqualität ist beträchtlich. Und die Antworten auf die Fragen die man Anfangs hat (mache ich alles richtig?), kommen meist von ganz alleine, wenn man erst einmal mit dem Training begonnen hat.

Wenn Sie Interesse haben, Ihr neues Jahr mit mehr Schwung und Bewegung zu starten, sind die Mitarbeiter vom Fitness Studio TV Jahn gerne bereit, Ihnen kostenlos Pulswerte (abhängig von Alter, Ruhepuls, Vorerfahrung und Erkrankungen) zu errechnen, sowie Empfehlungen für das Training zu geben. Um schwedisch zu sagen: Bewegst Du schon oder schläfst Du noch!