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26.9.2017 --- 5:39

Office Workout!!

erschienen im Stadtmagazin BLICK. des Landkreises SFA - Ausgabe 09/2008 

oder, wenn das Hirn arbeitet und der Körper erstarrt

Eigentlich ist ja jetzt nicht der richtige Zeitpunkt, über arbeitsbedingten Bewegungsmangel zu schreiben. Die Sommerferien sind gerade vorbei, noch sind alle aufgetankt. Abgesehen davon will im Sommer ohnehin keiner etwas über hartes Training hören. Also schreiben wir doch mal etwas über die Feinarbeit. Ein großer Teil der Mitglieder von Fitness Studios kommt zum Training, weil sie Bewegungslosigkeit auf der Arbeit kompensieren möchten. Vergleicht man die Anforderungen der Arbeitswelt aus dem Jahr 1950 mit heute miteinander, so wird man feststellen, dass in den meisten Berufen die Technisierung und Rationalisierung dazu geführt hat, dass die Vielfältigkeit von Bewegung und Arbeitshandlungen immer kleiner wurde. Heute können viele schon froh sein, wenn sie vom sitzenden Arbeitsplatz zwischendurch mal zum Kaffeeautomaten dürfen oder der Arm sich von der Maus zum Drucker heben muss. Überhaupt scheinen wir im Kompensationszeitalter zu leben. Zu wenig natürliche Bewegung wird mit Training kompensiert (sinnvoll!), zuwenig Sinnesreize werden mit PC und TV (falsch!) und unnatürliche Ernährung mit Lebensmitteltechnologie (tragisch!). Es gibt reichlich Beispiele dafür, wie wir unser Leben komplizieren (www.simplifyyourlife.de).

Dafür sind wir definitiv nicht gebaut. Unser Körper ist eine in Jahrtausenden ausgeprägte Hightechmaschine inclusive Geist und Seele. Wenn wir Wunderwerke der Natur eines nicht wollen, dann ist es, für mehrere Stunden zu erstarren, vor allem nicht in am Arbeitsplatz, während dass Hirn auf Hochtouren arbeitet. Leider können die wenigstens Menschen einfach mal eben so den Arbeitsplatz wechseln, wenns grade mal nicht mehr gefällt. Praktisch wäre es schon. Dummerweise ist unser Körper auch nicht bereit, diese Bewegungslosigkeit, unter der ein großer Teil der Bevölkerung leidet, klag- und schmerzlos hinzunehmen. Meist beginnt es mit Schulter-/ Nackenbeschwerden, setzt sich in Fehlhaltungen fort und mündet in einer Erkrankung. Es ist schwer aus diesem Kreis herauszukommen. Abgesehen davon, dass es meist Anleitung und Vorbilder benötigt, um etwas zu ändern, steigen die Anforderungen, der Druck und die Geschwindigkeit im Arbeitsleben.

Okay, jammern hilft ja nun bekanntlich am allerwenigsten. Sie wollen etwas ändern. Stellen Sie sich vor, Sie wollen es nicht akzeptieren, dass Sie jedes Jahr wieder etwas unbeweglicher werden. Sport, Yoga, Pilates reichen aber unter Umständen nicht aus, um 8 Stunden Sitzen und Denken zu kompensieren, um Geist und Körper auch nach der Arbeit etwas frischer sein zu lassen.

Eine Rätselaufgabe: Wie können wir Sie es schaffen, bei einem sitzenden Büroarbeitsplatz zu mehr Bewegung zu kommen. Wohlgemerkt während der Arbeit? Folgende Bedingungen müssen Sie einhalten

 

  1. Sie dürfen nicht aufstehen

  2. Sie dürfen nicht aufhören zu arbeiten

  3. Sie dürfen nicht zu seltsam dabei wirken, zumindest, wenn sie nicht alleine im Raum arbeiten. Oder aber Sie stiften Ihre Kolleg/innen an, mitzumachen. Im Rudel wirkt Verrücktheit sympathisch.

  4. Sie dürfen nicht zu laut sein (könnte Kolleg/innen bei der Arbeit behindern)

 

Schwierig was, eine kaum lösbare Aufgabe, wie es auf den ersten Blick scheint.

Die Lösung: Bewegen. Wie bitte!? Doch, das meine ich ernst. Nehmen Sie es als ernst zu nehmenden Teil ihrer Arbeit, während der Arbeit selber in Bewegung zu bleiben. Spreche ich unklar? Na gut, dann ein Beispiel. Die PC Maus: Ich kenne reichlich Menschen, die bis zu 8 Stunden am Tag an der Maus hängen. Dabei verkrampfen unsere Muskeln in folgender Reihenfolge: der Unterarm, die Finger, die Handinnenfläche, die Schulter, Nacken, Stirn. Im Laufe der Zeit gewöhnen wir uns daran, nehmen die erhöhte Dauerspannung des Muskels nicht mehr wahr, werden taub in der Muskulatur und in der Regel erst dann aufgeweckt, wenn etwas wehtut oder verletzt ist (Tennisellenbogen, Maushand, HWS Syndrom, etc.). Probieren Sie es mal aus mit der Maus. Schütteln Sie einfach mal alle 5 Minuten kurz die Hände aus, strecken sie Finger, spreizen Sie die Finger und greifen ein paar mal. Einfach nur bewegen und schon fließt wieder Blut. Sie werden sich wundern, wie dumpf sich Ihre Hände sonst oft anfühlen und wie gut es ist, es anders zu machen. Nehmen Sie es als Gewohnheit mit auf die Arbeit, jede dieser kleinen Bewegungspausen kostet Sie nicht mehr als 10 sec. Auf diese Art und Weise können Sie es mit den Schultern, den Füßen (energetisch sehr wichtig), den Augen, dem Kiefer, der Stirn und dem ganzen Gesicht machen, allen Bereichen die schnell auf Spannung reagieren. Sie sollen ja auch gar nicht rumzappeln wie der Teufel, sondern einfach verhindern, körperlich zu erstarren.

Jeder kennt es, dass man sich irgendwann bei geistiger Anspannung die Schläfen reibt, weil es beginnt weh zu tun. Tun sie es doch einfach vorher, dann lindert es nämlich nicht nur, sondern fühlt sich wohl an. Anfangs wird Ihnen das seltsam vorkommen, vielleicht fühlen Sie sich beobachtet, vielleicht werden Sie auch die Wirkung anfangs gar nicht so stark spüren, weil Sie schon so stark verspannt waren. Vielleicht werden Sie auch sagen: „aber mir tut doch der Rücken weh, was soll ich da mit den Händen“. Rückenschmerzen sind zu einem erheblichen Anteil abhängig von Streß (bei Streß wird die Muskelgrundspannung hochgesetzt, die die Schmerzentwicklung erleichtert), fühlt man sich also subjektiv wohler, weil nicht so versteift, wird man einen Bürotag leichter über die Runden bringen. Menschen, die in ihrer Freizeit ohnehin schon aktiv sind, wird das leichter fallen, da sie Verspannungen schneller als unangenehm empfinden. Wenn das bei Ihnen nicht so ist, macht nichts, Sie werden es lernen, es wird Ihnen gut tun. Einige gute Hinweise zu diesem Thema finden Sie auf auf den Homepages der Berufsgenossenschaften, unter anderem auch dazu, wie Sie Ihren Bildschirmarbeitsplatz ergonomischer einrichten können, oder auf unten stehenden Links. Ab dem 25.08. können Sie auf der Homepage des Fitness Studios unter der Rubrik „training/ bewegung am Arbeitsplatz“ auch einige leicht durchzuführende Übungen finden. Lassen Sie es nicht zu, dass Ihnen das Büro den Rücken ruiniert. Im englischen benutzt man gerne den Begriff „physical awareness“, bei uns hört sich körperliche Bewusstheit oder Achtsamkeit etwas unbekannt an, aber es ist genau das, was ich meine.

Falls Ihr Arbeitgeber denkt, es würde Sie von der Arbeit abhalten, können Sie ihm einfach eine Statistik vom Bundesgesundheitsministerium über die Ausfallkosten von Rückenerkrankungen unter die Nase halten. Gesund sein ist effektiver und produktiver!

http://www.bveb.de/download/Arbeitsplatz.pdf

http://www.ergonetz.de/bildschirm/downloads/checkliste.pdf